Ratgeber Aktualisiert am 13. Juli 2026 8 Min. Lesezeit

Das neue Siri: Was Apple Intelligence wirklich kann

Siri mit Apple Intelligence kann endlich Kontext verstehen, den Bildschirm lesen und Rückfragen beantworten. Was funktioniert, was noch nicht – und was mit iOS 27 kommt.

Siri war jahrelang der Assistent, über den alle Witze gemacht haben. Berechtigterweise. Ein falsch formulierter Satz und statt der gewünschten Antwort kam „Ich habe im Web Folgendes gefunden”. Das ändert sich, allerdings langsamer als Apple selbst angekündigt hatte.

Mit Apple Intelligence hat Apple Siri eine neue Grundlage gegeben. Seit iOS 18.4 funktioniert das auch auf Deutsch, und Siri versteht seitdem einfache Folgefragen im Kontext. Das große Versprechen aus derselben Ankündigung, ein Siri, das den Bildschirm liest und deinen persönlichen Kontext aus Mail, Nachrichten und Kalender kennt, hat Apple dagegen mehrfach verschoben. Erst mit iOS 27 kommt das jetzt tatsächlich, unter dem neuen Namen „Siri AI” und mit Technik von Google im Hintergrund. Was heute auf dem aktuellen iOS 26 schon funktioniert und was erst mit dem Umstieg auf iOS 27 kommt, zeigt dieser Artikel.

Was sich konkret geändert hat

Kontextbezogene Rückfragen

Die wichtigste Verbesserung: Siri vergisst nicht mehr sofort, worüber ihr gerade geredet habt.

„Hey Siri, wie wird das Wetter morgen in Hamburg?” „Und am Wochenende?”

Früher hätte die zweite Frage eine neue, zusammenhangslose Suche ausgelöst. Jetzt versteht Siri, dass du immer noch über Hamburg und Wetter redest. Das klingt banal – ist es aber nicht, weil es die Art verändert, wie du Siri benutzt. Du kannst Fragen aufeinander aufbauen statt jedes Mal den kompletten Kontext mitzuliefern.

Das funktioniert für Wetter, Fakten, Berechnungen und Einheitenumrechnungen zuverlässig. Bei komplexeren Themen – etwa „Vergleich mir die Kameras von iPhone 16 Pro und Samsung S25” gefolgt von „Und wie sieht es beim Akku aus?” – wird es wackelig. Siri liefert dann manchmal generische Antworten statt spezifischer Vergleiche.

On-Screen Awareness: Siri liest bald deinen Bildschirm

Genau diese Funktion war ursprünglich für iOS 18.4 angekündigt und wurde danach jahrelang verschoben. Als Grund nannte Apple offiziell anhaltende Qualitätsprobleme in den eigenen Tests. Die Idee dahinter bleibt aber die gleiche: Du liest eine Nachricht, eine Webseite oder eine Notiz und fragst einfach:

„Hey Siri, fass das hier zusammen.”

Siri soll dann den sichtbaren Inhalt analysieren und eine Zusammenfassung liefern, oder eine Adresse auf dem Bildschirm erkennen und direkt in Apple Maps öffnen. Genau das bringt Apple jetzt tatsächlich, allerdings nicht mehr als Teil von „Apple Intelligence Siri”, sondern als eigenständiges „Siri AI”: vorgestellt auf der WWDC im Juni 2026, angetrieben von einem eigens für Apple trainierten Gemini-Modell aus dem Hause Google, verarbeitet über Apples Private-Cloud-Compute. Auf iOS 26.5 oder 26.6, der aktuellen stabilen Version, ist davon noch nichts zu sehen. Wer es ausprobieren will, braucht die öffentliche Beta von iOS 27. Der reguläre Rollout ist für Herbst 2026 vorgesehen, zusammen mit dem iPhone 18.

Ehrliche Einschätzung: Nach so vielen Verschiebungen lohnt sich Skepsis. Apple hat bei dieser Funktion schon mehrfach einen Termin verpasst. Die Ankündigung auf der WWDC 2026 war aber deutlich konkreter als frühere Versprechen, inklusive einer laufenden Beta statt nur einer Roadmap-Folie. Ob die Qualität im Alltag hält, was die Demos zeigen, lässt sich erst beurteilen, wenn iOS 27 im Herbst bei allen Nutzern ankommt.

App Intents: Siri steuert Apps

App Intents (vereinfacht: Befehle, die App-Entwickler für Siri freigeben) erlauben Siri, Aktionen direkt in Apps auszuführen. Nicht nur Apple-Apps – auch Drittanbieter-Apps können mitmachen.

Beispiele, die heute funktionieren:

  • „Bestell meinen letzten Kaffee bei Starbucks nach”
  • „Zeig mir meine letzte Bestellung in Amazon”
  • „Starte einen Lauf in Nike Run Club”

Der Haken: Die App muss App Intents aktiv unterstützen. Stand Juli 2026 tun das immer noch vergleichsweise wenige Apps. Die großen (Spotify, WhatsApp, Google Maps) sind dabei, aber viele mittelgroße Apps fehlen noch. Du merkst das, wenn Siri antwortet: „Ich kann das in dieser App nicht für dich erledigen.”

Wenn du Siri für komplexere Abläufe nutzen willst – etwa eine Kette aus mehreren Aktionen – kombinierst du App Intents am besten mit Kurzbefehlen. Ein Kurzbefehl kann mehrere App-Intents hintereinander ausführen, und du startest das Ganze mit einem einzigen Siri-Befehl.

Type to Siri: Tippen statt Sprechen

Nicht jede Situation erlaubt es, laut mit dem Handy zu reden. Type to Siri gibt es schon länger, aber mit Apple Intelligence ist die Texteingabe deutlich besser geworden – Siri versteht auch getippte Anfragen kontextbezogen und mit Rückfragen.

Aktivieren: Einstellungen → Apple Intelligence & Siri → Siri tippen. Dann doppelt auf die untere Bildschirmkante tippen.

Was noch nicht funktioniert (Stand Juli 2026)

Siri ist besser geworden, aber die großen Versprechen aus 2024 sind auf der aktuell stabilen iOS-Version immer noch nicht eingelöst:

  • Bildschirm lesen und persönlicher Kontext über Apps hinweg: Wie oben beschrieben kommt das jetzt mit iOS 27 als „Siri AI”. Auf iOS 26.5 und 26.6 fehlt es komplett, Siri soll dort weiterhin nicht wissen, wann dein Flug geht (aus einer Mail), um dich rechtzeitig zu erinnern (im Kalender).
  • Zuverlässige Aktionen in Drittanbieter-Apps: Die Theorie: „Siri, schick dem Handwerker auf WhatsApp, dass ich 10 Minuten später komme.” Die Praxis: In vielen Fällen öffnet Siri nur die App und du tippst selbst.
  • Komplexe mehrstufige Aufgaben: „Finde den günstigsten Flug nach Lissabon nächstes Wochenende und trag ihn in meinen Kalender ein” bleibt auch mit Siri AI vorerst Science-Fiction, Apple verspricht so etwas frühestens für spätere Ausbaustufen.
  • Offline-Fähigkeit: Apple Intelligence verarbeitet vieles auf dem Gerät, aber Siri braucht für kontextbezogene Antworten fast immer eine Internetverbindung.

Siri AI im Detail: Was mit iOS 27 wirklich kommt

Auf der WWDC im Juni 2026 hat Apple die Details nachgeliefert, die vorher nur als Roadmap-Versprechen standen:

  • Vollständiger persönlicher Kontext: Siri AI soll auf Mails, Nachrichten, Kalender, Notizen und Fotos gleichzeitig zugreifen können, um Fragen zu beantworten wie „Wann habe ich zuletzt mit Anna über das Projekt gesprochen?”
  • Erweiterte App-Steuerung: Mehr Aktionen in mehr Apps, inklusive Navigation innerhalb von Apps („Öffne die Einstellungen in Spotify und schalte Crossfade ein”)
  • Ein Gemini-Modell im Hintergrund: Für rechenintensive Anfragen nutzt Apple laut eigenen Angaben ein eigens trainiertes, sehr großes Gemini-Modell von Google, verarbeitet über Apples Private-Cloud-Compute. Für Apple ein ungewöhnlicher Schritt, für die Nutzer soll er unsichtbar bleiben.

Stand Juli 2026 läuft iOS 27 in der öffentlichen Beta, der reguläre Release wird für September 2026 zusammen mit dem iPhone 18 erwartet. Ob Siri AI hält, was die Keynote verspricht, zeigt sich erst, wenn die Software bei allen Nutzern ankommt und nicht nur bei Beta-Testern. Apple hat bei Siri in der Vergangenheit öfter angekündigt als geliefert, aber diesmal gibt es zumindest schon eine laufende Beta statt nur einer Ankündigung.

So holst du das Maximum aus Siri heraus

Ein paar Tipps, die den Unterschied machen:

1. Natürlich sprechen, nicht wie ein Roboter. Siri versteht „Wie komme ich am schnellsten nach Hause?” besser als Navigation Heimadresse starten. Die neuen Sprachmodelle sind auf natürliche Sprache trainiert.

2. Rückfragen nutzen. Bau Gespräche auf statt jede Frage einzeln zu stellen. „Was kostet das iPhone 16 Pro?” gefolgt von „Und mit 512 GB?” funktioniert jetzt.

3. Auf iOS 27 vorausschauen. Bist du in der Beta oder wechselst du im Herbst zu iOS 27, probier Siri AI gezielt mit Bildschirm-Inhalten aus: einen langen Artikel zusammenfassen lassen oder bei einer sichtbaren Telefonnummer Ruf diese Nummer an sagen. Auf iOS 26.5 oder 26.6 funktioniert das noch nicht.

4. App Intents entdecken. Geh in Einstellungen → Apple Intelligence & Siri → Apps und schau, welche deiner installierten Apps Siri-Aktionen anbieten. Du wirst überrascht sein, was manche Apps können, von dem du nichts wusstest.

5. Kurzbefehle als Verstärker. Für alles, was Siri nicht direkt kann, gibt es oft einen Kurzbefehl. Musik erkennen und dann automatisch zur Playlist hinzufügen? Ein Kurzbefehl erledigt das in einem Schritt.

Fazit: Der kleine Schritt ist da, der große kommt erst noch

Siri mit Apple Intelligence macht seit iOS 18.4 spürbare, aber kleine Fortschritte, vor allem bei Folgefragen und der Bedienung per Tastatur. Der große Sprung, ein Siri, das den Bildschirm liest und deinen persönlichen Kontext kennt, kommt mit Verspätung und mit Hilfe aus Mountain View: iOS 27 und „Siri AI” sind seit Juni 2026 offiziell angekündigt, laufen bereits als Beta, und der breite Rollout folgt im Herbst 2026 zum iPhone 18.

Die ehrliche Empfehlung: Nutze auf der aktuellen stabilen Version, was heute schon gut funktioniert, allen voran Folgefragen, Type-to-Siri und die bereits unterstützten App-Aktionen. Für den großen Umbruch lohnt sich Geduld, oder ein Blick in die iOS-27-Beta für alle, die das Risiko nicht scheuen. Ob Apple das 2024 gegebene Versprechen diesmal wirklich einlöst, lässt sich aber erst seriös beurteilen, wenn Siri AI bei allen Nutzern angekommen ist.

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