Gitarre und Klavier lernen mit dem iPhone: Die besten Apps
Welche Lern-App wirklich taugt, entscheidet sich an zwei Fragen: Hört sie dein Spiel zuverlässig zu, und was kostet sie dich am Ende im Jahr.
Beim Gitarrelernen kostet die beste App nichts: Justin Guitars kompletter Anfängerkurs steht frei im Netz. Beim Klavier ist Skoove der beste Einstieg, weil es als einziger großer Anbieter seine Preise offen nennt. Bei allen anderen Apps zählen zwei Dinge, die man auf Screenshots nicht sieht: Wie hört die App, was du spielst, und was kostet sie wirklich, bevor du ein Konto anlegen musst.
Justin Guitar: der komplette Anfängerkurs, gratis
Du möchtest Gitarre lernen, weißt aber nicht, wo du anfangen sollst? Justin Guitar ist die ultimative App für das Lerne…
Justin Sandercoe unterrichtet seit über zwanzig Jahren Gitarre im Netz. Der komplette Beginner Course steht frei auf seiner Website, Modul für Modul, mit Videos, ohne Bezahlschranke und ohne Konto. Die App überträgt dieselbe Methode in eine Übungsoberfläche mit Fortschrittsverfolgung, Akkordwechsel-Trainer und Songs zum Mitspielen, der Einstieg ist kostenlos, der volle Lernpfad läuft über ein Abo.
Für wen: Anfänger, die bei null starten.
Mein Rat für alle, die bei null anfangen: Fang mit der kostenlosen Website an. Wenn du nach vier Wochen noch übst, ist die App das Geld wert. Wenn nicht, hast du nichts verloren.
Zuerst die Technik: Mikrofon oder Kabel
Fast alle Lern-Apps hören per iPhone-Mikrofon zu und erkennen, welchen Ton du gespielt hast. Ausnahme ist Fender Play, reine Videokurse ohne Tonerkennung. Bei der Gitarre funktioniert das Mikrofon erstaunlich gut, weil eine gezupfte Saite einen sauberen Ton erzeugt.
Beim Klavier kommt es darauf an, was du hast: Am akustischen Klavier ist das Mikrofon der einzige Weg und funktioniert gut in ruhigen Räumen. Ein E-Piano oder Keyboard mit USB verbindest du besser per Kabel, dann erfährt die App exakt, welche Taste du wann gedrückt hast, statt es aus einem Klanggemisch zu berechnen, der Unterschied ist bei Akkorden deutlich. Bluetooth-MIDI funktioniert, bei mir je nach Keyboard mit spürbarer Verzögerung. Wenn es aufs Timing ankommt, ist das Kabel die sichere Wahl.
Klavier lernen: die drei ernsthaften Kandidaten
Skoove kommt aus Berlin und ist der einzige der drei Klavier-Anbieter, der seine Preise offen auf die Website schreibt: 12,49 € im Monat bei Jahresabo, 19,99 € im Quartal, 29,99 € monatlich. Dazu kommt eine dauerhaft kostenlose Stufe mit begrenzten Lektionen. Didaktisch geht Skoove ruhiger vor als die Konkurrenz, weniger Punkte und Abzeichen, mehr Erklärung.
Entfessle die Magie des Klavierspiels mit den interaktiven Klavierkursen von Skoove.
Für wen: Wer vorher wissen will, was es kostet.
flowkey aus Berlin ist der Favorit für alle, denen es vor allem um Stücke geht: über 1.500 Songs mit Video, vier Schwierigkeitsstufen, ein Wartemodus, der erst weiterspielt, wenn du den richtigen Ton triffst. Beim Preis wird es intransparent, auf der Website steht keiner. In der App: 23,99 € für einen Monat, 139,99 € für zwölf Monate (Stand Oktober 2026), wobei der günstigere Classic-Tarif Pop, Rock und Filmmusik ausschließt.
Mit flowkey kannst du wunderschöne Klavierstücke ganz einfach innerhalb von Stunden lernen – auch wenn du Einsteiger bi…
Für wen: Wiedereinsteiger, die konkrete Stücke spielen wollen.
Simply Piano ist mit über 82.000 Bewertungen die meistbewertete Klavier-App im deutschen App Store, stark spielerisch aufgebaut mit kurzen Lektionen und sofortigem Feedback. Der Preis steht weder in der App-Beschreibung noch auf der Website, rechne mit einer Größenordnung wie bei den anderen.
Klavier lernen mit Mikrofon-Erkennung in Echtzeit
Für wen: Kinder und Erwachsene, die schon mehrfach aufgegeben haben.
Gitarre lernen: weitere Optionen
Yousician hört über das Mikrofon zu und bewertet in Echtzeit, ob du sauber greifst und im Takt bleibst, funktioniert bei Gitarre sehr zuverlässig. Drei eigene Apps gibt es: Gitarre (mit Bass und Gesang), Klavier, Ukulele und Gesang. Kein Preis auf Website oder in der Beschreibung, den erfährst du erst nach dem Anlegen eines Kontos.
YOUSICIAN – GITARRE LERNEN, SINGEN LERNEN & BASS SPIELEN MIT ECHTZEIT-FEEDBACK
Für wen: Wer Echtzeit-Feedback beim Spielen will.
Simply Guitar ist das Gitarren-Gegenstück zu Simply Piano, mit derselben Stärke bei der Motivation und derselben Schwäche bei der Preisangabe.
Lerne Gitarre in deinem Tempo mit Schritt-für-Schritt-Tutorials von Weltklasse-Musiklehrern und erhalte Feedback von de…
Fender Play kommt vom Gitarrenhersteller selbst und wirbt mit 14 Tagen kostenlosem Unterricht, allerdings auf Englisch (im Store nur für Englisch und Spanisch geführt) und ohne Tonerkennung, nur Videos. Die Kurse sind sauber produziert und nach Musikrichtung sortiert, praktisch mit klarem Ziel statt generisch „Gitarre lernen“.
Lernen Sie, Gitarre von den meisten vertrauenswürdigen Namen in der Musik zu spielen. Fender Play® macht es leicht zu l…
Für wen: Wer ein konkretes Genre lernen will und Englisch kein Problem ist.
Die kostenlosen Werkzeuge, die du sowieso brauchst
Unabhängig vom Kurs gehören drei Apps auf jedes Gerät, alle in der Grundfunktion kostenlos.
GuitarTuna ist das Standard-Stimmgerät, erkennt jede Saite über das Mikrofon, kennt alternative Stimmungen und hat einen Akkordfinder dabei. Eine verstimmte Gitarre ist einer der häufigsten Gründe, warum Anfänger aufhören.
Stimme deine Gitarre und spiele deine Lieblingssongs mit GuitarTuna, der weltweit führenden Tuner-App! Schnelles, genau…
Ultimate Guitar hat eine der größten Sammlungen an Akkorden und Tabulaturen, Grundfunktion kostenlos mit Werbung. Wer interaktive Tabs und Tempo-Steuerung will, braucht Pro: 9,99 € im Monat oder 59,99 € im Jahr, hier nennt der Anbieter seinen Preis wenigstens klar.
Die größte Akkorde- und Tabs-Bibliothek für Gitarristen und Bassisten.
Songsterr ist die Alternative für genaue Transkriptionen: nur eine Version pro Song statt zwanzig widersprüchlicher Uploads. Alle Tabs kostenlos ansehen und abspielen, Loop, Solo und Stummschalten einzelner Spuren sind dem Abo vorbehalten.
Songsterr wurde im Wall Street Journal als eine der „besten Apps zum Erlernen des Musizierens“ und als Apple-App der Wo…
MuseScore öffnet die Notensammlung des gleichnamigen freien Notensatzprogramms und spielt beim Üben mit, allerdings nicht kostenlos: Ansehen und Abspielen der meisten Noten braucht MuseScore Pro, 6,99 USD im Monat oder 49,99 USD im Jahr.
GarageBand ist der einzige echte Gratis-Gegenpol in diesem Artikel: von Apple, dauerhaft kostenlos, ohne Abo. Kein Lernkurs mit Tonerkennung, aber zum Mitspielen und Aufnehmen hervorragend. Verlangt inzwischen iOS 26.
Musik produzieren auf dem iPhone - kostenlos und erstaunlich mächtig
Andere Instrumente
Für Geige gibt es Trala von der Learnfield GmbH, denselben Leuten wie Skoove, mit derselben Mikrofonerkennung, aber speziell auf Intonation ausgerichtet, also darauf, ob du den Ton wirklich triffst, die eigentliche Schwierigkeit bei einem bundlosen Instrument.
Wir freuen uns sehr, bekannt zu geben, dass die Trala-Apps von der Learnfield GmbH übernommen wurden – dem weltweit ren…
Für Blasinstrumente ist tonestro die brauchbarste Adresse, der österreichische Anbieter hat eigene Ausgaben für Trompete, Querflöte, Klarinette, Saxophon und weitere Instrumente mit Begleitmusik zum Mitspielen.
Träumst du davon, ein Musikinstrument zu spielen? Tonestro ist die Plattform für dich. Egal, ob du an Streich-, Blas-, …
Was das alles wirklich kostet
Bei einem Jahresabo landest du je nach Anbieter grob bei 100 bis 150 € im Jahr. Nicht wenig, aber im Vergleich zu Präsenzunterricht (üblicherweise 30 bis 50 € pro Einzelstunde) immer noch günstig, drei Stunden entsprechen ungefähr einem Jahresabo.
- Erst die kostenlosen Wege ausschöpfen. Justin Guitar im Web und die Gratis-Stufe von Skoove reichen für die ersten Wochen völlig.
- Testphasen im Kalender eintragen. Die Verlängerung läuft automatisch, was du abonniert hast, siehst du unter Einstellungen → [dein Name] → Abonnements.
- Jährlich statt monatlich, aber erst nach der Entscheidung. Der Jahrespreis ist überall günstiger pro Monat, sinnvoll erst, wenn du weißt, dass du dabeibleibst.
Nach meiner Erfahrung bringen fünfzehn Minuten am Tag mehr als zwei Stunden am Sonntag. Die Apps erinnern dich daran, wenn du die Mitteilungen zulässt.
Wenn dir beim Üben ein Stück begegnet, dessen Namen du nicht kennst, hilft die Funktion, mit der du dir Musik über das iPhone erkennen lässt. Für die Playlist danach lohnt der Blick auf die versteckten Funktionen von Apple Music.
Häufige Fragen
Kann man mit einer App wirklich ein Instrument lernen?
Die Grundlagen ja, deutlich weiter als die meisten erwarten. Was Apps nicht können, ist die Haltung zu korrigieren, eine verkrampfte Hand fällt der Mikrofonerkennung nicht auf, einem Lehrer sofort. Am besten kombinieren: App zum täglichen Üben, ab und zu eine echte Stunde zur Kontrolle.
Brauche ich ein Keyboard mit MIDI-Anschluss?
Nein, das Mikrofon reicht. Mit Kabelverbindung erkennt die App aber genauer, was du gespielt hast, gerade bei Akkorden.
Funktionieren die Apps auch ohne Internet?
Teilweise. Lektionsvideos werden gestreamt und brauchen eine Verbindung, der Übungsmodus für bereits geladene Stücke läuft bei den meisten Apps auch offline. Lade Stücke vorher im WLAN herunter.
Was ist besser, iPhone oder iPad?
Am Klavier ist das iPad klar besser, mehr Noten gleichzeitig auf dem größeren Display, lässt sich auf den Notenständer stellen. An der Gitarre reicht das iPhone. Bei den großen Anbietern gilt das Abo geräteübergreifend.
Ab welchem Alter ist das sinnvoll?
Simply Piano und Yousician funktionieren erfahrungsgemäß ab etwa sechs oder sieben Jahren, wenn Kinder lesen können und die Hand groß genug für eine Oktave ist. Darunter ist eine App eher Spielzeug als Unterricht.