Zyklusprotokoll in watchOS 27: Hinweise auf die Perimenopause
Das Zyklusprotokoll meldet sich, wenn protokollierte Muster auf eine Perimenopause hindeuten. Was die Funktion leistet, was nicht, und wer die Daten sieht.
Apple erweitert im Herbst mit watchOS 27 und iOS 27 das Zyklusprotokoll um Hinweise zur Perimenopause. Auf der deutschen Vorschauseite zu watchOS 27, dessen übrige Neuerungen wir separat zusammengefasst haben, steht dazu nur ein Satz:
Das Zyklusprotokoll in der Health App kann dir Mitteilungen senden, wenn deine protokollierten Zyklusmuster auf eine Perimenopause hindeuten. Du kannst damit verbundene Symptome festhalten und hilfreiche Informationen finden.
Derselbe Satz steht wortgleich auf der Vorschauseite zu iOS 27: Die Funktion lebt in der Health-App auf dem iPhone, nicht auf der Uhr. Die Apple Watch liefert nur zusätzliche Messwerte, sie ist keine Voraussetzung.
Die Fußnote zählt mehr als der Werbesatz
An dem Satz hängt eine Fußnote mit vier Einschränkungen: Das Zyklusprotokoll ist nicht zur Verhütung und nicht zur Diagnose gedacht; die Mitteilungen stützen sich ausschließlich auf den protokollierten Verlauf, nicht auf Messwerte der Uhr; sie sind für Personen ab 40 Jahren bestimmt; und sie ersetzen keine ärztliche Diagnose, Überwachung oder Behandlung. Eine solche Mitteilung ist also ein Anlass für ein Arztgespräch, kein Befund, genau wie die Bluthochdruck-Warnung der Apple Watch.
Perimenopause kurz erklärt
Der Berufsverband der Frauenärzte beschreibt drei Phasen der Wechseljahre: die Perimenopause vor dem Ausbleiben der Menstruation, im Schnitt ab 47,5 Jahren, die Menopause als letzte Regelblutung mit mindestens zwölf blutungsfreien Monaten danach, und die Postmenopause. Ein Drittel der Frauen hat laut Verband keine Beschwerden, ein Drittel leichte, nur beim letzten Drittel wird eine Behandlung sinnvoll. Häufigste Beschwerden laut dem unabhängigen IQWiG sind Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafprobleme und Stimmungsschwankungen, die letzte Regelblutung liegt im Schnitt bei 51 Jahren.
Wichtig für die Apple-Funktion: Ihre Untergrenze von 40 Jahren liegt deutlich vor diesem Durchschnittsalter, eine Mitteilung kann also lange vorher kommen oder ausbleiben, ohne dass das etwas beweist. Und eine Schwangerschaft bleibt in dieser Phase möglich, weshalb der Berufsverband bis etwa 52 zu zuverlässiger Verhütung rät, daher der entsprechende Satz in Apples Fußnote.
Was du dafür brauchst
Auf dem iPhone reichen iOS 27 und die Health-App, dort liegt das Zyklusprotokoll. Eine Apple Watch ist optional, verbessert aber die Datenlage: Trägst du sie nachts, nutzt Health laut Apple die Handgelenktemperatur und die Ruheherzfrequenz, um Vorhersagen zu verbessern und den Eisprung rückblickend zu schätzen. Wer die Uhr ohnehin nachts zum Schlafen anbehält, hat diesen Teil schon erledigt.
Für watchOS 27 unterstützt Apple nur noch Series 9, 10 und 11, die SE 3 sowie Ultra 2 und Ultra 3. Series 6, 7 und 8, die SE der 2. Generation und die erste Ultra bleiben auf watchOS 26 und funktionieren dort weiter. Für die Zyklus-Mitteilungen ist das kein Ausschlusskriterium, solange das iPhone aktuell ist.
Zyklusprotokoll einrichten
- Health-App öffnen und unten rechts auf die Suchen-Taste tippen.
- Auf Zyklusprotokoll und dann Los gehts tippen. Der Assistent fragt die für Vorhersagen nötigen Angaben ab.
- Im Zyklusprotokoll nach unten scrollen, auf Optionen tippen und einzeln einschalten: Vorhersagen der Periode, Mitteilungen zur Periode, Erfassung von Zyklusabweichungen, Schätzungen der fruchtbaren Phase und Mitteilungen bei Fruchtbarkeit.
- Mit Apple Watch Series 8 oder neuer, einer Ultra oder der SE 3: Schlaferfassung auf der Uhr einrichten und sie nachts tragen. Sie misst dann automatisch die Handgelenktemperatur und braucht rund fünf Nächte für deinen Basiswert. Series 6, Series 7 und die SE der 2. Generation haben keinen Temperatursensor, damit entfällt die rückblickende Eisprungschätzung.
Danach trägst du deine Periode über die Zeitleiste oben im Zyklusprotokoll ein, Symptome, Schmierblutungen, Basaltemperatur und Testergebnisse in den weiteren Kategorien darunter.
Ein Punkt wird oft übersehen: Unter Zyklusprotokoll → Faktoren trägst du Schwangerschaft, Stillzeit und Verhütungsmittel ein. Läuft ein solcher Faktor, schaltet Apple die Erfassung von Zyklusabweichungen und damit die Perimenopause-Hinweise automatisch ab, zusätzlich pausieren die Vorhersagen. Wer ein Verhütungsmittel früher eingetragen, aber nie mit Enddatum versehen hat, wartet deshalb dauerhaft vergeblich, ohne dass die App darauf hinweist.
Ohne Daten passiert nichts
Die Mitteilungen stützen sich ausschließlich auf den protokollierten Verlauf, Apples Bedienungsanleitung nennt mindestens zwei erfasste Perioden als Untergrenze für Vorhersagen. Wer im Herbst aktualisiert und dann nichts einträgt, bekommt nichts, und wer nur den Beginn der Periode notiert, gibt der Funktion weniger Anhaltspunkte als jemand, der auch Dauer und Stärke festhält. Umgekehrt gilt: Ausbleibende Mitteilungen sind kein Entwarnungssignal.
Wenn eine Mitteilung kommt
In der Mitteilung Mögliche Zyklusabweichung tippst du auf Zyklusverlauf überprüfen, bestätigst, ergänzst oder korrigierst die Daten deines Verlaufs, und die App zeigt Vorschläge für die nächsten Schritte. Nützlich fürs Arztgespräch: Unter Zyklusprotokoll → Zyklusverlauf gibt es PDF exportieren, eine saubere Übersicht deiner bisherigen Zyklen zum Mitnehmen, oft der eigentliche Nutzen der ganzen Funktion. Eine Mitteilung ist keine Aussage über deine Lebensphase: Unregelmäßige Zyklen haben viele Ursachen, und Apple rät selbst zu ärztlichem Rat statt eigener Schlüsse.
Wo die Daten liegen
Apple beschreibt die Lage in der Datenschutzerklärung zur Health-App: Bei gesperrtem iPhone (Code, Face ID oder Touch ID) sind alle Gesundheits- und Fitnessdaten verschlüsselt, außer dem Notfallpass. Ist zusätzlich die Zwei-Faktor-Authentifizierung für die Apple-ID aktiv, kann Apple nach eigener Aussage die mit iCloud synchronisierten Gesundheitsdaten nicht lesen, weil es keinen Schlüssel dafür hat. Ohne aktive Zwei-Faktor-Authentifizierung, in zwei Minuten erledigt unter Einstellungen → [dein Name] → Anmeldung & Sicherheit, fehlt dieser Schutz.
Vier weitere Punkte lohnen sich gerade bei diesem Thema: einen Sperrcode auch auf der Uhr setzen; unter Health-App → Profilbild → Datenschutz → Apps prüfen, welche App mitliest (eine früher ausprobierte Zyklus-App von Drittanbietern steht dort womöglich noch); unter Einstellungen → Mitteilungen → Vorschauen zeigen auf Wenn entsperrt stellen, damit niemand die Mitteilung auf dem Sperrbildschirm liest; und Freigaben im Blick behalten, denn einmal geteilte Gesundheitsdaten bleiben geteilt, bis du sie zurücknimmst. Mehr zum Aufräumen der Health-Daten steht im Artikel zur Stimmungsaufzeichnung in der Health-App.
Mitteilungen abschalten
Im Zyklusprotokoll nach unten scrollen, auf Optionen tippen und die Erfassung von Zyklusabweichungen deaktivieren. Das Protokollieren selbst bleibt davon unberührt, die Option lässt sich jederzeit wieder aktivieren.
Was noch offen ist
Vorgestellt wurden watchOS 27 und iOS 27 auf der WWDC-Keynote am 8. Juni 2026, dort kam auch die Perimenopause-Funktion zur Sprache. Den genauen Auslieferungstermin nennt Apple erfahrungsgemäß erst kurzfristig. Zur Treffsicherheit der neuen Hinweise nennt Apple bisher keine Zahlen. Und Apples Bedienungsanleitung zum Zyklusprotokoll stammt aus Juli 2023 und kennt die Perimenopause-Mitteilungen noch nicht; sie gilt laut eigener Angabe unter anderem für die USA, die EU, den EWR und die Schweiz, ob Deutschland zum Start dabei ist, hat Apple nicht ausdrücklich gesagt.
Was jetzt sinnvoll ist
Der beste Zeitpunkt zum Anfangen ist vor dem Update, nicht danach: Die Funktion kann nur bewerten, was schon protokolliert ist, zwei Zyklen sind das Minimum. Richte das Zyklusprotokoll also jetzt ein, aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung, und trage ein, was ohne Aufwand geht. Und wenn im Herbst tatsächlich ein Hinweis kommt: PDF exportieren, Termin machen, dort besprechen. Für mehr ist die Funktion ausdrücklich nicht gebaut.
Häufige Fragen
Brauche ich eine Apple Watch für die Perimenopause-Hinweise?
Nein. Die Funktion liegt in der Health-App auf dem iPhone. Eine Apple Watch verbessert die Datengrundlage, weil sie nachts die Temperatur am Handgelenk und die Ruheherzfrequenz erfasst.
Ich bin unter 40. Bekomme ich diese Mitteilungen auch?
Nein, laut Fußnote sind sie für Personen ab 40 Jahren bestimmt. Zyklusabweichungen wie unregelmäßige oder ausbleibende Perioden können aber auch früher auftreten und gehören dann ärztlich abgeklärt.
Heißt ein Hinweis, dass ich in den Wechseljahren bin?
Nein. Apple formuliert bewusst, dass protokollierte Muster auf eine Perimenopause hindeuten können, und schreibt, die Mitteilungen ersetzten herkömmliche Diagnose- und Überwachungsmethoden nicht. Unregelmäßige Zyklen haben viele mögliche Ursachen.
Kann ich das Zyklusprotokoll zur Verhütung nutzen?
Nein, das schließt Apple in der Fußnote und in der Bedienungsanleitung ausdrücklich aus. Der Berufsverband der Frauenärzte weist zusätzlich darauf hin, dass eine Schwangerschaft auch in den Wechseljahren möglich bleibt.
Sieht Apple meine Zyklusdaten?
Nach Apples eigener Darstellung nicht, sofern das iPhone gesperrt ist und für die Apple-ID die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiv ist. Dann sind die Daten auf dem Gerät verschlüsselt, und Apple hat nach eigener Angabe keinen Schlüssel für die in iCloud gesicherten Gesundheitsdaten.